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eingereicht am 29. November 2006
Motion: Politische Bildung in der Grundausbildung der Lehrkräfte
Der Regierungsrat wird beauftragt, die Pädagogische Hochschule in der Leistungsvereinbarung zu verpflichten, die politische Bildung (inkl. zeitgemässen, inhaltlichen und didaktischen Informationen) als festen Bestandteil der Grund- und Weiterbildung zu verankern.
Begründung: Im November 2000 forderte die damalige Grossrätin Evi Allemann einen rechtzeitigen und aktuellen Unterricht in Staatskunde und aktualitätsbezogener Geschichte. Im November 1998 fragte die ehemalige Grossrätin Ursula Wyss in einer Interpellation nach den Verbesserungsmöglichkeiten des Staatskundeunterrichts. Die Antworten des Regierungsrates liessen zu wünschen übrig. Die Motion Allemann wurde als erfüllt abgeschrieben. „Wie bereits in der Antwort des Regierungsrates auf die Interpellation Wyss – Verbesserung des Staatskundeunterrichts ausgeführt wurde, ist die politische Bildung im Lehrplan für die deutschsprachigen Volksschulen von 1995 gut verankert.“ Die Verankerung existiert auf dem Papier, doch wie wirkt sich diese in der Praxis aus? Die ersten Ergebnisse der Studie „Geschichte und Politik im Unterricht“ der Pädagogischen Hochschulen Bern, Zürich, Nordwestschweiz und der Universität Zürich zeigen, dass die Praxis weniger günstig aussieht.
Die Schule wird ihrer Aufgabe nicht gerecht, erfolgreich Kenntnisse über politische Prozesse und Zusammenhänge zu vermitteln. Am Ende der Schulzeit fehlt den Jugendlichen das politische Basiswissen. Zu den Gründen gehöre, laut Daniel V. Moser, Berner Co-Autor und Fachdidaktiker an der Pädagogischen Hochschule Bern, die Tatsache, dass den Lehrpersonen nur trockene Staatskunde-Lehrmittel zur Verfügung stünden. In der Grundausbildung der Lehrkräfte würden zudem zu wenig inhaltliche und didaktische Informationen zur politischen Bildung vermittelt. Die Geschichtslehrkräfte müssten lernen, Politik anhand von konkreten Beispielen zu vermitteln. Statt die Jugendlichen büffeln zu lassen, was genau ein Postulat ist, sollte die Schule ihnen anhand konkreter Beispiele den politischen Prozess veranschaulichen. Die fast ausschliessliche Institutionslehre, wie sie meist betrieben wird, ist nicht ausreichend. So ist im Schlussbericht von Prof. Dr. Fritz Oser und Dr. Roland Reichenbach zum Mandat „Politische Bildung in der Schweiz“ zuhanden der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK (1999) festgehalten, dass den „rechtlich-institutionellen Aspekten der Demokratie im Unterschied zu prozedural-ethischen des demokratischen Zusammenlebens insgesamt mehr Beachtung geschenkt wird.“ Weiter steht auch, dass die „Randständigkeit“ des Faches durch die thematische Aufladung auf Lehrplanebene kaum korrigiert werden kann. Das Fazit dieses Schlussberichtes fiel dementsprechend ernüchternd aus: „Verschiedene Indizien deuten an, dass die Situation der politischen Bildung/ staatsbürgerlichen Erziehung an den Schweizer Schulen insgesamt nicht befriedigen kann.“ Problematisch sei, dass bis zur 7. Klasse explizierter und intendierter politischer Unterricht abwesend sei.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, welch grosse Verantwortung die Lehrkräfte tragen. Bei der Ausübung und Vorbereitung müssen sie daher gezielt unterstützt werden. Es scheint, dass die „Politische Bildung“ zwar im Lehrplan verankert ist, dass jedoch bei der Umsetzung ein grosses Verbesserungspotential besteht. Deshalb ist es wichtig, dass in der Grundausbildung der Lehrkräfte die „Politische Bildung“ inklusive zeitgemässen, inhaltlichen und didaktischen Informationen Pflicht ist. Zudem sollte auch in der Weiterbildung die „Politische Bildung“ verankert sein.
„Politische Bildung ist kein Amalgam aus Geschichte, Religion, Sozialkunde, Geographie und moralischer Erziehung, sondern Ausdruck einer eigenständigen Lebensform, die wir die demokratische nennen.“ (In: Schlussbericht „Politische Bildung in der Schweiz“, Prof. Dr. F. Oser und Dr. R. Reichenbach)
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